[Janne]
Und endlich ist der September da.
Eigentlich hätte es im August losgehen können. Das IVF-Schema mit Spritzen und Zeugs. Aber dann ging es doch nicht. Erst war mein Mann ungünstig weg, dann mein Zyklus ungünstig, dann die Arbeit im Weg. Aber jetzt, jetzt haben wir Urlaub und erholen uns schön beim Warten auf die letzte Blutung und die erste Spritze und dies und das.
Also, eigentlich, gar nicht.
Als Selbstzahler heißt es jetzt: Angebote einholen und vergleichen. Lernen, was es bedeutet, wenn es dieses Medikament nur unter diesem Namen gibt und jenes nicht in der auf dem Rezept verordneten Wirkstoffmenge, sondern gestoppelt, als würde man gern erstmal Reste loswerden wollen.
Weder ich noch mein Mann können Französisch. Ob „Issu de la chaine du froid – ni nepris ni échangé“ bedeutet, was der Google Translator sagt, werden wir vielleicht nie erfahren.
Unterdessen hat meine Kinderwunschfreundin ihr Baby geboren.
Die Babyblase wird uns etwas trennen. Ich freue mich für sie, vielleicht tut es deshalb nicht sehr weh.
Im Moment ist die Einsamkeit in diesem Warten gut für mich. Von mir aus rede ich nicht mehr darüber. Ich möchte eine kleine Wunderblase für meinen Mann und mich aufspannen. Möchte der Profanität, der klinischen Natur der nächsten Zeit keinen emotionalen Zugriff auf mich geben.
Das Warten auf Daten, das Spiel mit den Zahlen, ich möchte das nicht. Es sollen Meilensteine werden. Etappen, wie bei den Radwanderungen, die ich früher oft gemacht habe. Auch da haben mir Zahlen und Daten viel von der Erfahrung genommen. Klar muss man wissen, wo die nächste Unterkunftsmöglichkeit ist, wo der nächste Supermarkt, wo der Weg schlecht ist und wo nicht. Aber dafür reicht ein Blick am Tag auf die Navigations-App. Der Rest ist Fahren. Mit dem Himmel überm Kopf, dem Boden unter den Füßen und der Tatsache, dass man lebt.
Nächste Woche geht es los.