Was bei #ADHS helfen kann | Medikamente nehmen Teil 5 | Elvanse und ich

[Disa] Nun teste ich also schon mehr als zwei Wochen, wie ich mit Elvanse klarkomme.

Am ersten Tag, mit 5 mg, fühlte ich überhaupt nichts. Außer Bauchweh und Herzrasen. Aber beides hatte ich schon am Vortag gehabt, von daher keine eindeutigen Nebenwirkungen.

Da ich mit Dr. ADHS so verblieben war, dass ich selbst auf 10 mg hochdosieren kann, wenn ich das Gefühl habe, dass 5 mg zu wenig wirkt, erhöhte ich am zweiten Tag auf 10 mg und fühlte die Wirkung, die ich mir erhofft hatte, sehr deutlich. Ein ruhiger klarer Kopf, nicht total ruhig, aber ich erlebe mich mit Elvanse wieder klar und fokussiert.

Du fragst dich, wie ich so eine kleine Dosis hinbekommen habe, wo es doch nur Packungen mit größeren Dosen gibt? Da die kleinste Kapselfüllung in der Schweiz mit 20 mg für mich definitiv zu hoch ist (in D ist sogar 30 mg die niedrigste Dosis), hätte ich ohne kleinere Dosierung keine Chance, mit dem Mittel glücklich zu werden. Da es auch anderen so geht, hat mich meine Ärztin genau instruiert, was ich tun kann.

Tatsächlich sind diese großen Dosen an den Bedürfnissen vieler Nutzer*innen vorbei gedacht (mehr dazu später), weshalb es sich empfiehlt, mit kleineren Dosen anzufangen und bei Bedarf auch zu bleiben¹.

Da ich, wie früher schon geschrieben, bereits bei meinem MPH-Medikament nur die Hälfte der kleinsten Dosis gebraucht und deshalb den Kapselinhalt halbiert hatte, bin ich darin geübt, Kapseln zu öffnen und zu halbieren. Für die 5 mg-Kapseln halbierte ich den bereits halbierten Inhalt ein zweites Mal. Weil das Material pulverförmig ist, ist das allerdings weniger einfach. Besser geht es mit ausschütten: Auf eine Glas- oder Kunststoffplatte ausleeren und mit einer Rasierklinge entsprechend große Häufchen machen ist die eine Option. So habe ich es mit den ersten Kapseln gemacht. Da ich viele Leerkapseln habe, füllte ich die Häufchen wieder in Kapseln um. Das ist natürlich nicht nötig, denn der abgemessene Inhalt kann auch einfach in Wasser geschüttet werden. Danach habe ich mir die Spritzenmethode¹ angeschaut und mache es nun für mich so, denn damit lässt sich noch feiner dosieren. (Quelle/Details siehe unten.)

Nach 5 Tagen mit 10 mg und zwei Pausentagen, in denen ich den krassen Unterschied sehr gut feststellen konnte, bin ich inzwischen bei 8 mg gelandet. Noch teste ich, vielleicht werde ich – da jetzt das Herzrasen weg ist – nochmals 10 mg probieren. Wenn ich die richtige Dosis gefunden habe, wird meine Apotheke das Mittel in der richtigen Dosis für mich neu verkapseln.

Was ich an Elvanse mag, ist die Fokussiertheit und innere (relative) Ruhe. Tatsächlich kann ich nun wieder länger an einer Aufgabe sitzen, ohne mich ständig ablenken zu lassen. Oder so: Ich lasse mich zwar ablenken, aber ich kann auch gleich wieder zurückkommen und kann dort weitermachen, wo ich aufgehört habe – ohne groß überlegen zu müssen. Ich kann wieder bewusst ausblenden, was ich nicht zu wissen brauche und nehme dadurch wieder weniger Dinge wahr, oder weniger stark. Es ist allerdings bei mir eine andere Art von Filter als bei MPH, die ich noch nicht so genau beschreiben kann. Mein Kopf ist inwendig klarer. Ich denke aber immer noch sehr viel und auch vieles gleichzeitig, vielleicht sogar noch schneller als sonst, aber nicht mehr so chaotisch, mehr in parallelen Bahnen als in sich überlappenden.

Auch mit Elvanse bin ich immer noch ich. Ich erlebe wieder andere Seiten von mir im Vordergrund und empfinde das insgesamt angenehmer als wenn ich stark adhs-lastig bin.

Da ich mich ohne Medikament sehr grenzenlos fühle, überflutend, überlaufend, schätze ich es sehr, dass jetzt – mit Elvanse – wieder mehr Abgrenzung möglich ist. Ich bin hier, du bist da. Ich fühle mich, meine Grenzen, dich und deine Grenzen. Ich fühle mit, aber es ist nicht mehr so, dass ich gefühlt und gedanklich, weil ich grenzenlos bin, deine Stelle einnehmen muss. Das ist sehr gut. Ich habe somit wieder mehr Energie für meine eigenen Wahrnehmungen.

Was ich daran aber nicht mochte, ist eine Art Herzrasen wie nach drei Espressi und damit einhergegend ein latentes Drüber-Sein. Ich war mir nicht sicher, ob das vom Mittel an sich oder der Dosis herrührt, weshalb ich tiefer gegangen bin. Weil dieses Gefühl nun aber vorbei ist, werde ich vielleicht demnächst nochmals mit 10 mg testen. Einmalig habe ich es mit 15 mg versucht, aber das war definitiv zu hoch und mein Klarheitsgefühl war so stark, dass es sich nicht mehr gut angefühlt hat. Also teste ich im Bereich zwischen 8-10 mg.

Wissenswertes
Je älter wir werden, desto weniger Dopamin wird gebraucht, denn im älter werdenden Hirn sind weniger Dopamintransporter vorhanden, die die Dopaminzufuhr ausbremsen. Ergo braucht es weniger Wirkstoff. Dass ich Elvanse sehr genau dosieren lässt, ist also super.

Dass die kleinsten, handelsüblichen Dosen relativ groß sind, finde ich schade. Und unfair. Gerade ältere Menschen brauchen, wie gesagt, weniger Substanz, um den Dopaminmangel aufzufüllen. Und gerade bei Stimulanzien (aber eigentlich bei allem) geht es ja darum, nur genau so viel Wirkstoff zu nehmen, wie wir brauchen, um die gewünschte Wirkung zu erreichen. Viel hilft viel gilt gerade hier überhaupt nicht, im Gegenteil: Zu hoch dosiert werden wir ja auch nicht glücklich, weil uns dieses Zuviel nicht ruhiger, sondern wieder unruhiger werden lässt.

In der Regel wird leider generell viel zu hoch eindosiert, folgere ich aus Erzählungen in meinem Bekanntenkreis, da viele Ärztys mit MPH und LDX zu wenig vertraut sind.

Be der Eindosierung beider Medikamente protokollierte ich am Anfang genau, was sich wie anfühlt. Zusammen mit meiner Ärztin schaute ich wöchentlich, wie und ob es passt. Falls nicht, testeten und testen wir weiter bis es zu mit passte und passen wird. 7

Natürlich bin ich nicht jeden Tag gleich gut drauf und empfinde es mal so mal so, dazu kommen die Hormone und was alles noch so an Unwägbarkeiten meinen Alltag beeinflusst.

Ich hoffe sehr, dass diese Medikamente nach und nach auch in kleineren Dosen auf den Markt kommen, denn ich bin ziemlich sicher, dass immer mehr nach kleineren Dosen gefragt wird, was, so denke ich, damit zusammenhängt, dass es immer mehr spät- und sehr spätdiagnostizierte Menschen (vor allem auch Frauen*) gibt, deren Bedarf kleiner ist – denn, wie gesagt, je älter ein Mensch ist, desto weniger Wirkstoff ist in der Regel nötig.

Ich hoffe jetzt, dass ich bald weiß, welches meine Dosis ist – und das wünsche ich auch allen Leser*innen.

+++

Nachtrag am 11. März:
Inzwischen bin ich doch wieder bei 5 mg angekommen, da ich gemerkt habe, dass sich dieses Drüber-Gefühl, sofort wieder einstellte, sobald ich in einem latent unruhigen stressigen Kontext war. Auch Stress schüttet wohl Dopamin aus. Jedenfalls geht es mir mit 5 mg nun besser als mit 10 oder 8 mg. Nicht alle merken solche feinen Unterschiede. Für mich ist dieses Drüber-Gefühl allerdings doch sehr unangenehm, es macht die positiven Aspekte des Mittels zunichte.

Ich habe das Glück, dass ich auch zugleich auch MPH verschrieben bekommen habe. Neu nehme ich, eine halbe Tablette Medikinet unretardiert/5 mg pro Halbtag. Auch das wirkt nun wieder besser.

Fazit: Mein ehemaliges Medikament war vermutlich nicht unwirksam geworden, sondern war inzwischen zu hoch dosiert. Da es sich aber nicht mehr kleiner dosieren lässt, ist Medikinet unretardiert die perfekte Lösung.


¹ Hier steht alles Notwendige zum kleinschrittigen (Ein-)Dosieren, inklusive Link zu einem Video, worin die Wasser-/Spritzenmethode gezeigt wird:
https://www.adxs.org/

Was bei #ADHS helfen kann | Medikamente nehmen Teil 4

[Disa] Wie ich mich jedes Mal nerve, wenn ihm TV Mist über ADHS verbreitet wird! In einer Serie, die ich gestern geguckt habe, wurde eine ADHS-Betroffene wegen ihrer Ritalin-Sucht behandelt. Es wird gezeigt, wie sie am Abend heimlich und verstohlen eine Tablette nimmt. Sie müsse diese Sucht unbedingt aufgeben!, sagte die Ärztin später zu ihr. Sie müsse lernen, ohne diese Droge zu leben.

What a f*ck! Sorry, aber bei so viel Mist werde ich leicht ungehalten.

Dass Methylphenidate (MPH) wie Ritalin und Co. von Nicht-ADHS-Betroffenen als Droge missbraucht werden, ja, oke, verstehe ich. Aber dass ADHS-Betroffene freiwillig überdosieren? Ne, glaub ich jetzt eher nicht. Bei uns ist die Wirkung ja genau umgekehrt. Durch das Endlich-Genug-Dopamin werden wir konzentriert und fokussiert, endlich weniger hibbelig, während ein Zuviel – wie ich später noch erzählen werde – ähnlich unangenehm ist wie ein Zuwenig.

Leider wissen viele Drehbuchschreiber*innen offensichtlich nicht, dass MPH keinen Pegel erzeugt, wie es die meisten(?) Psychopharmaka vermutlich tun. MPH dagegen ist in maximal zehn Stunden wieder raus aus dem Körper. Ich habe im Laufe der Zeit bei mir beobachtet, wie lange das MPH bei mir wirkt und habe eine etwa 6-8 stündige Wirkzeit erkannt. Auch geht es mir defintiv besser, wenn ich das Mittel relativ bald nach dem Aufstehen nehme.

Im folgenden Text fasse ich meine Erkenntnisse aus meinen letzten beiden Sitzungen, in denen es um das Eindosieren und Finden meiner persönlichen Dosis ging, zusammen. Ich möchte mit dem Teilen meiner Erfahrungen so gern die ganzen Vorurteile über ADHS, die im Umlauf sind, aufheben.

Natürlich ist so ein Mittel – wie letztlich jedes Medikament – ein Eingriff in mein System. Manche Menschen reagieren mit starken Nebenwirkungen. Bei mir traten als Nebenwirkungen wiederholtes Verspannungskopfweh, Mundtrockenheit und Pickel auf. Alle drei können von Methylphenidat (MPH) ausgelöst werden.

Für das Kopfweh empfiehlt mir Dr. ADHS, hochwertiges und hochdosiertes Magnesium einzunehmen. (Was, wie ich im Rückblick nach zehn Monaten sagen kann, bestens funktioniert. Das Kopfweh hat sich wieder normalisiert, heißt, ich habe es ähnlich oft oder selten wie vor der Medikation.) Fakt ist, dass MPH dem Körper mehr Spannung beschert. Dagegen hilft Magnesium meistens gut. Doch wer langfristig hochdosiertes Magnesium einnimmt, sollte unbedingt auch auf genügend Calcium achten, da sonst die Knochensubstanz angegriffen werden kann. Der Abend sei für Magnesium die beste Einnahmezeit, weil es ja zur Entspannung und Entkrampfung beitrage, sagt meine Ärztin. Was ich zwar nachvollziehen kann, aber die Verspannungen, die das ADHS-Mittel macht, spüre ich ja vor allem tagsüber. Ich werde es wohl so halten, dass ich am Morgen und am Abend etwas nehme.

Einmal jährlich soll gecheckt werden, wie mein Körper mit dem MPH klarkommt, Blutbild, Blutdruck etc.. Gut zu wissen!

Ich habe Glück, dass ich mein Mittel so gut vertrage. Die Pickel haben sich – so kann ich glücklicherweise im Rückblick sagen – wieder verkrümmelt, nachdem ich die richtige Dosis gefunden hatte. Mit der Mundtrockenheit habe ich zu leben gelernt, ich trinke öfter.

Kurz gesagt: Die positiven Effekte überwiegen bei mir definitiv. Ich habe deutlich mehr Lebensqualität und weniger Leidensdruck. Meine Wahrnehmung der Unterschiede – Leben mit und ohne das Medikament – ist immer facettenreicher geworden. Ich habe mehr Bewusstsein für mich und meine Grenzen. War ich vorher grenzenlos, spüre ich mich inzwischen immer besser. Auch bin ich nicht mehr die, die immer alles überblickt, mitbekommt, wachsen hört, sieht und wahrnimmt. Jetzt bin ich auch mal die, die nicht mehr weiß, wo die Schlüssel liegen. Ich kann nicht mehr alles vorausahnen und überblicken, sondern muss mir jetzt Strategien überlegen, damit ich die Dinge nicht vergesse.

Ich sage meiner Ärztin, dass ich zwar zufrieden bin, nur gern weniger hibbelig wäre. Viel ist besser geworden, aber die Hibbeligkeit mag ich nicht. Müsste die denn nicht endlich weniger werden? Statt früher 15 Kanäle, die mich gleichzeitig bespielen, habe ich inzwischen nur noch etwa 5-10, mir wäre lieber, es wären noch weniger, sage ich.

Wir überlegen, dass ich testweise die Dosis leicht erhöhen könnte, was ich schließlich die nächsten Tage tue, aber bald merke, dass ich die positiven Eigenschaften zwar immer noch wahrnehme, mich jetzt aber irgendwie abgehoben, abgeschnitten, unempathisch, fast zu sehr nur auf mich fokussiert fühle. Und – vor allem – jetzt sogar noch hibbeliger geworden bin.

Also mache ich genau das Gegenteil: ich verringere die Dosis. Die Kapseln lassen sich ja sehr gut öffnen. Ich experimentiere, bis ich nach und nach die richtige Dosis, die Hälfte der Anfangsdosis, finde. Da habe ich nun alle Benefits und endlich ist die Hibbeligkeit weniger geworden. Und die Pickel sind auch Geschichte.

Diese Phase mit der Überdosierung war schlimm – und doch erhellend und somit notwendig, um die Wirkung von MPH zu begreifen. Ich habe mich mir fremd gefühlt und für mich erkannt, dass sowohl zu wenig als auch zu viel Dopamin schwierig sind. Die richtige Dosis findet sich auf einem sehr schmalen Weg. Auch wenn es bei mir schließlich eine relativ kleine Dosis ist, macht sie doch, so im Rückblick, einen gewaltigen Unterschied in der Wahrnehmung meiner Innen- und Außenwelt.

Mit meiner eher kleinen Dosis bin ich übrigens nicht allein, die Wohlfühldosis ist tatsächlich sehr individuell. Und je älter eine*r ist, desto weniger Dopamin-Transporter hat sie*er, also braucht eine*r je älter je weniger Dopamin, um das gewünschte Level zu erreichen.

Es ist ein tolles Gefühl: endlich bestimme ich. Ich kann wählen. Ich muss nicht, aber ich kann. Ich sammle jetzt Erfahrungen und ich darf auch mal danebenhauen. Das darf sein. Ich werde im Laufe der Zeit fühlbar selbstsicherer, weil ich nun selbst bestimmen kann.

Das alles ist nicht nur ein kognitiver Prozess, ein Verstehen im Kopf, es geht vor allem auch darum, das alles zu fühlen. Die langfristigen Verhaltensveränderungen, die ich herbeiführen will, sollen besonders auch auf der Fühlebene passieren.

Eine Beobachtung, die ich erst allmählich mache:
Meine Tagesmüdigkeit ist fast ganz verschwunden. Das hat zwei Gründe: 1.) Die Substanz ist nicht nur ein Dopaminbooster, sondern eben auch ein etwa zehn Stunden wirksamer Wachmacher, was jedoch nicht bedeutet, dass ich zehn Stunden lang einen hohen Dopaminspiegel habe (dieser hält sich, je nach persönlichem Stoffwechsel und gewähltem Medikament, 4-8 Stunden).
2.) Ich bin nun abends, da ohne Nickerchen tagsüber, viel müder, so dass ich, wenn Wachmacher und Dopaminboost wieder aus dem Körper raus sind, entsprechend (meist mit Melatonin) richtig gut schlafen kann. Nicht immer, aber immer öfter.

Inzwischen habe ich deutlich mehr Selbstvertrauen in mich und meine Instinkte, Gefühle und Wahrnehmungen gefunden. Das freut mich sehr.

Ich empfinde mich …

  • innerlich ruhiger
  • weniger (schnell) müde
  • ausdauernder
  • weniger schnell genervt und gereizt
  • positiver/optimischer

Abschließend zeigt mir Dr. ADHS auf einer ihrer Textgrafiken, wo genau was passiert:

  • Das limbische (Belohnungs-)System reagiert auf genug Dopamin mit »innerlich ruhiger«
  • Der Thalamus kann wegen genug Dopamin Reize besser abschirmen und lässt mich mich »weniger (schnell) müde« fühlen.
  • Im Präfrontalen Cortex geschieht durch genug Dopamin, dass ich entscheiden kann und will, »positiver« zu sein.

Während ich mit zu wenig Dopamin vieles automatisch mache, geht es neu darum, die Dinge bewusst zu tun. Das erklärt auch meine neue Vergesslichkeit. Vorher hat sich mein Hirn herumliegende Dinge automatisch gespeichert, weil ich keine Filter hatte und alles unpriorisiert wahrnahm, doch darauf kann ich nun irgendwie nicht mehr zugreifen. Gefühlt ist es manchmal wie eine noch fast leere Festplatte ohne Dateirn oder ein anderes neues Betriebssystem, das ich erst kennenlernen muss …

»Das Hirn ist bis ins hohe Alter beweglich«, sagt Dr. ADHS sinngemäß, »und hocheffizient. Wenn ich davon überzeugt bin, dass ich etwas nicht mehr kann, werden jene Areale »geschlossen« und das Hirn, die Hirntätigkeit, wird dort eingestellt. Aktiviere ich das Hirn aber ständig, indem ich Neues lerne, bleiben alle Bereiche im Hirn aktiv. Use it oder lose it. So arbeitet das Hirn«.

»Sie tun schon viel, Sie haben bereits viel getan«, sagt sie, als ich von meiner Erfahrung mit meiner mir in den Phasen der Überdosierung beinahe abhanden gekommenen Empathie spreche. »Die Empathiefähigkeit gehört zu Ihnen, ist Teil Ihrer Persönlichkeit. Sie ist nicht nur wegen mehr oder weniger Dopamin aktiv, Sie können sie steuern. Neu werden Sie nicht mehr überflutet und daran müssen Sie sich gewöhnen. Jetzt ist das noch neu, aber irgendwann wird das Ihr neues Normal sein.«

Ich habe es jetzt endlich selbst in der Hand und bin nicht mehr den Fühlfluten ausgeliefert.


Teil 1
Teil 2
Teil 3

Ende

Was bei #ADHS helfen kann | Medikamente nehmen Teil 3

[Disa] Inzwischen habe ich bereits zwei Wochen Erfahrung mit meinem Medikament (Dexmethylphenidat) gesammelt. Am Anfang der Sitzung erzähle ich Dr. ADHS, was ich bisher mit Focalin erlebt habe. Sie schreibt mit und erklärt mir anschließend, was da gerade in meinem Hirn passiert. Dabei erstellt sie zur Veranschaulichung wieder eine Textgrafik.

Der Thalamus, den ich bereits von früheren Sitzungen kenne, reagiert auf die höhere Dopamingabe so, dass er einen Puffer, einen Filter auf meine Wahrnehmung legt. Die Dopamingabe schenkt mir beispielsweise, dass ich Geräusche nicht mehr so unmittelbar laut und nervig wie ohne Dopamin wahrnehme. Das erste Geschenk.

Das zweite Geschenk ereignet sich im Präfrontalen Cortex (PFC): Das ist der Ort der Steuerung. Wenn zu wenig Dopamin zur Verfügung steht, steuert das Hirn ohne meine Mitbestimmung meine Wahrnehmung und meine Interpretation von Einflüssen, was zu diesem mir sehr vertrauten Fremdsteuerungsgefühl führt. Was sehr anstrengend ist. Dank genug Dopamin bin ich zunehmend in der Lage, selbst zu steuern, wie ich wahrnehme und wie ich die Wahrnehmungen interpretiere.

Dort fängt dann die Eigenleistung an. Meine bisherigen guten Erlebnisse und Wahrnehmungen mit Focalin waren bisher eher zufällig, doch die Therapie, die ich jetzt hier mache, zielt darauf ab, dass ich gute Erfahrungen willentlich herbeiführen lernen kann. (Davon aber später.)

Erst sprechen wir jedoch noch über das dritte Geschenk: Mein lymbisches System belohnt mich mit mehr innerer Ruhe. Auch hier wird zukünftig Eigenleistung zu noch mehr Ruhe führen können.

Wir sprechen in der weiteren Zeit darüber, wie dieses Mehr an Lebensqualität, die ich mit diesen drei Geschenken konkret erfahren kann, aussehen könnte. Konkret geht es um eine Erweiterung meiner Grenzen hin zu mehr Selbstbestimmung.

Jedes Hirn hat quasi seinen ganz eigenen Dopaminbedarfslevel. Und jedes ADHS-Hirn braucht grundsätzlich die immer gleiche Dosis, um diesen Bedarf zu decken. Ich werde mich dennoch nicht jeden Tag mit der einmal gefundenen und festgelegten Dosis gleich gut fühlen. Das Leben ist ja nicht ausschließlich von diesem Mittel abhängig, ich bin immer noch die gleiche Person mit meinen Gewohnheiten und Mustern. Ich werde auch nicht – wie vorher vom Dopaminmangel fremdbestimmt – nun vom Dopamin gesteuert, sondern das Genug an Dopamin ermöglicht es mir, dass ich nun selbst bestimmen kann, welche Gedanken mich beschäftigen sollen und welche Reize ich an mir heranlasse. (Eine der vielen Bedenken, die fast alle ADHSler*innen haben, bevor sie sich auf das eine oder andere Mittel einlassen, ist die Angst vor Fremdbestimmung durch das Medikament. Genau das Gegenteil ist der Fall, wie ich schon nach kurzer Zeit bestätigen kann.)

Meine Aufgabe besteht nun darin, mich mehr und mehr selbst zu steuern. Ich kann mir neue Ziele setzen, ich kann mich ausbreiten, neue Wünsche formulieren, mir das Leben wie ein Büffet vorstellen, aus dem ich mich bedienen kann. Innerhalb meiner Persönlichkeit habe ich nun viel mehr Spielraum. Doch das muss ich erstmal begreifen. Und lernen. Die Muster, die ich mir wegen meiner ständige Begrenztheit/Eingeschränktheit angeeignet habe, müssen definiert und durch neue Muster ersetzt werden. Das ist eine Art Neukonditionierungsprozess, der mir dabei hilft, mich selbst zu steuern, mehr Selbstbestimmung leben zu können.

Schließlich sprechen wir über die Einnahme des Mittels und sie empfiehlt mir, das Mittel recht bald nach dem Aufstehen einzunehmen. Später werde ich es nach Gusto nehmen können, doch jetzt ist wichtig, dass ich die Kurve beobachten kann. Der erste Peak ist nach einer Stunden, der zweite nach vier.

Als ich die morgendlichen Schwindel während der beiden letzten Vormittage erwähne, vermutet sie, dass ich ein Zuviel von Dopamin haben könnte, da mein Partner bei mir ist. Der Körper stellt ja auch eigenes Dopamin zur Verfügung, das allerdings im ADHS-Hirn in der Regel kaum ausreicht. Wohlfühlmenschen können offenbar als Dopamin-Booster wirken, und vielleicht wird dadurch dann zu viel Dopamin frei. (Wenn eine neurotypische Person das Mittel nimmt, erlebt sie es oft als eine Art Rauschzustand.) Das ist aber erst einmal eine These, die noch weiter beobachtet werden muss.

Ebenfalls muss beobachtet werden, ob die Pickel in meinem Gesicht tatsächlich vom Focalin kommen.

INFO: Diesen Text habe ich im November 2023 geschrieben.


Teil 1
Teil 2
Teil 4

Fortsetzung folgt

Was bei #ADHS helfen kann | Medikamente nehmen Teil 2

[Disa] Am Anfang dieser Sitzung bitte ich darum, das von mir gehasste Händeschütteln wegzulassen. Für Dr. ADHS kein Problem. Ich stelle fest, dass ich allmählich mehr zu meinen Bedürfnissen stehen kann. Das ist nur ein kleines Beispiel von vielen positiven Auswirkungen meiner späten ADHS-Diagnose.

Dr. ADHS fragt, ob ich zur generellen Wirksamkeit der ADHS-Medikament bezogen auf die Hirnaktivität – also was wir in der letzten Sitzung angeschaut haben – noch Fragen habe. Ich fasse kurz zusammen, was ich verstanden habe. Mich interessiert vor allem, welches die für mich richtige Dosis ist und welches Mittel zu mir passt. Ich habe keine Ahnung, wie das Eindosieren funktioniert, kenne nur das Vorgehen bei Antidepressiva, wo wöchentlich oder auch täglich ein bisschen mehr genommen wird. Als zweites stelle ich die Frage, ob denn ein Dopaminmangel, wie ich ihn ja offenbar habe, verantwortlich für Depressionen sei.

Auf die erste Frage antwortet sie, dass dem nicht so sei. Ich werde nicht einfach jeden Tag ein wenig mehr nehmen, denn das Medikament schaffe ja keinen Spiegel. Wie genau die richtige Dosis erkannt werde, erkläre sie mir später.

Zur zweiten Frage sagt sie, dass nicht Dopamin- sondern Serontoninmangel für Depressionen verantwortlich sei. Das seien, wie wir schon früher mal besprochen haben, Antagonisten. Während allerdings die Gabe von Dopamin das Serontonin nicht groß beeinflusse (allenfalls könnte die Zwangsstörung stärker werden), könne es umgekehrt bei Serontoningabe der ADHS-spezifische Dopaminmangel noch verstärkt werden. (Ich meine mich tatsächlich zu erinnern, dass ich, während der AD-Phasen noch hyperiger/gespeedeter gewesen bin. Hm. Oke. Interessant. Das mal im Kopf behalten.)

Schließlich holt Dr. ADHS einen selbstgemalten Vordruck, worauf sie mir die Wirksamkeit der vier für mich am Anfang zur Auswahl stehenden Medikamente demonstriert. Es sind Methylphenidate. Unser Plan ist es, die richtige Dosis zu finden, damit ich mich selbst besser steuern kann und nicht mehr vom Dopaminmangel gesteuert werde.

Focalin ist das neueste Medikament – nur in der Schweiz und den USA erhältlich – und lässt sich am feinsten dosieren. Gegen Medikinet spricht bei mir, dass ich dazu zwingend frühstücken müsste. Was ich aber ja nicht tue. Respektive meine erste Mahlzeit selten vor 10 Uhr einnehme, eher so um 11-12 Uhr irgendwann. So wählte ich zwischen Concerta und Focalin und entschied mich relativ spontan für Focalin, weil es sich fein dosieren lässt.

Medikamente und Stimulanzien werden in jedem Körper unterschiedlich verstoffwechselt. Je nachdem wie unsere Hirne eben ticken (mir fällt leider der richtige Begriff nicht mehr ein). Da gibt es wohl drei Arten des Verwertungsprozesses: die Schnell-Schnell-Kombi, die Schnell-Langsam-Kombi und die Langsam-Langsam-Kombi. (85 % gehören zur Schnell-Langsam-Kombi, 5 % zur Schnell-Schnell- und 10 % zur Langsam-Langsam-Kombi, wenn ich mir das richtig gemerkt habe.)

Während die Wirksamkeitskurve für alle Benutzer*innen relativ ähnlich ist, ist die Kurve des Ausfadens des Mittels unterschiedlich lang. Je nachdem, wie ich ticke, wird das Mittel früher oder später abgebaut. Bei Focalin könne es durchaus zu einem Rebound*-Effekt kommen, heißt wenn das Mittel zu wirken aufhört, kann sich der ’frühere Normalzustand’ schwieriger als sonst anfühlen.

Was ADHS-Medikamente von anderen (z. B. Schmerz-)Mitteln unterscheidet, ist, dass die Wirkung der eigentlichen Stimulanz nebensächlich ist. In zu hoher Dosis verabreicht wirken ADHS-Medikamente wie Drogen, sie machen wach, appetitlos, aufgedreht, was allerdings weder zentral noch erwünscht ist; diese Wirkungen kommen nur bei zu hoher Dosis vor. Genau darum ist es so wichtig, die genau richtige Dosis herauszufinden.

Ich soll drei Tage nacheinander morgens je eine 5 mg-Kapsel Focalin (was 10 mg MPH entspricht) einnehmen, bevor ich große Denk- und Arbeitsleistung erbringe, und genau beobachten, wie es wirkt. Wann es wirkt. Was genau passiert. Danach soll ich zwei Tage kein Mittel nehmen und mich auf die Unterschiede konzentrieren. Schließlich alles protokollieren und ihr, Dr. ADHS, mailen, was ich dabei erlebt habe. Sie werde auf meine Beobachtungen reagieren und mir umgehend Anweisungen geben, wie ich weitermachen solle.

Für mich klingt das alles ziemlich unheimlich, gruselig … dennoch möchte ich herausfinden, wie es sich anfühlt, wenn im Kopf so etwas wie Ruhe ist. Und wie es sich anfühlt, wenn ich die Dinge selbst steuern kann. Selbst entscheiden, worauf ich mich einlassen und konzetrieren will und nicht, wie eben vorhin erlebt, gleichzeitig Dinge wahrnehmen, schreiben, Bilder bearbeiten, eine Mail beantworten, mit Freundinnen chatten … und für alles immer nur halbe Konzentration aufbringen.

Doch jetzt gehe ich erstmal in die Apotheke und hole mir meine erste Schachtel Focalin. Morgen fängt das neue Leben an. Oder so. Puh.

+++

INFO: Diesen Text habe ich im Oktober 2023 geschrieben. Seither hat sich für mich dank Focalin vieles zum Besseren gewendet.


*Der Begriff Rebound oder Absetzeffekt (von engl. rebound ‚Rückprall‘) bezeichnet in der Medizin das verstärkte Wiederauftreten von Symptomen einer medikamentös behandelten Erkrankung nach Absetzen der Arzneimittel.

Teil 1
Teil 3
Teil 4

Fortsetzung folgt

Was bei #ADHS helfen kann | Medikamente nehmen Teil 1

[Disa] »Wie ist das eigentlich? Wie war das bei dir, als du angefangen hast, ADHS-Medikamente zu nehmen? Und heißt es eigentlich Medikamente für oder gegen ADHS?« Diese Frage wurde mir – nach dem ich da und dort von meiner jüngt erhaltenen ADHS-Diagnose zu erzählen begonnen habe – immer mal wieder so oder ähnlich gestellt.

Voranstellen muss ich, dass ich keine Medikamente nehmen wollte, bevor ich verstanden habe, wie ein ADHS-Hirn tickt. Bis jetzt habe ich ja sowohl ohne Diagnose als auch ohne Medikamente gelebt. Allerdings mit wachsendem Leidensdruck. Gut zu wissen, dass sowohl Diagnose als auch Medikation im Grunde nur bei Leidensdruck wichtig sind.

Als ich zu verstehen begann, wie das alles zusammenhängt und wie meine andauernde, sehr belastende Reizüberflutung überhaupt entsteht, beschloss ich, dem Hilfsmittel Methylphenidat eine Chance zu geben. Mein persönlicher Leidensdruck war vor allem der Reizüberflutung geschuldet, zum einen war das dieser Dauerlärm im Kopf, dazu dieses Umherspringen, diese vielen offenen Tabs in mir drin … und wenn dann noch etwas von außen kommt, Lärm, Gestank, eine dringende Bitte eines lieben Menschen … und das alles gleichzeitig, in 3D und in Farbe … dann war ich einfach nur noch dauererschöpft. Warum also nicht etwas Neues ausprobieren?

Den meisten ist nicht klar, wie anders ADHS-Substanzen im Vergleich zu Schmerzmitteln wirken. Selbst zu den Antidepressiva, die ich zuweilen genommen habe, verhält sich Methylphenidat total anders.

Der Hauptunterschied besteht vielleicht darin, dass diese Substanzen keinen Spiegel im Organismus bewirken, den es aufrecht zu erhalten gilt. (Gerade in Filmen wird das oft völlig falsch dargestellt.) Das Mittel wird eingenommen, erreicht seinen Level, wirkt eine bestimmt Zeit und verlässt unser System wieder … und das alles innert maximal zwölf Stunden. Zum einen beeinflusst das Medikament den Dopamintagesspiegel, zum anderen ist da der Teil des Medikaments, der wachmacht (was solche Mittel eben auch als Droge beliebt macht).

Was das Mittel definitiv NICHT macht, ist klassisches Ruhigstellen. Jedenfalls nicht so, wie es sich viele vorstellen. Unterm Strich macht mich das Mittel schon irgendwie ruhiger, aber nicht auf die baldrianeske Art, sondern eher so, dass ich weniger Lärm im Kopf habe und dadurch konzentrierter und fokussierter bin.

Was ich euch hier im Folgenden erzähle, basiert auf dem, was mir meine Ärztin – Dr. ADHS will ich sie hier nennen – erzählt hat, was ich mir angelesen und was ich persönlich erfahren habe. Es ersetzt keine persönlichen Besuche bei einer*m Spezialistin*en. Und bestimmt habe ich auch das eine oder andere nicht genau richtig verstanden, seid also nachsichtig mit mir. Ich hoffe dennoch, dass meine Erfahrungen, der einen oder dem anderen helfen können, den einen oder anderen Zusammenhang besser zu verstehen.

Dr. ADHS war es sehr wichtig, dass ich nach der Diagnose und vor dem Beginn der medikamentösen Therapie überhaupt verstehe, wie das Hirn funktioniert und was die Medikamente bewirken und auslösen.

Damit ich mir alles gut vorstellen kann, hat sie mir bunte Grafiken gezeichnet, die ich hier natürlich nicht wiedergeben kann. Ich versuche es darum mit Worten.

Stellt euch eine Zelle vor. Darin Blasen. Darin Dopamin. Dopamin gewährleistet, wenn ich das richtig verstanden habe, eine störungsfreie Signalübertragung. In einem Nicht-ADHS-Hirn überträgt Dopamin Informationen und Befehle via synaptischem Spalt – denkt euch rote Punkte außerhalb der Zelle – in die Nachbarzellen. Das nicht mehr benötigte Dopamin wird via Dopamintransporter – gezeichnet als hellgrüne Wägelchen – zurück in die Zellen gebracht. Ein ausgewogenes System, ein Kreislauf.

Ein ADHS-Hirn verfügt – vereinfacht gesagt – über eine mangelnde Dopamin-Wirksamkeit respektive sind zu viele Dopamintransporter (kurz DaT) im Einsatz, die viel zu viel Dopamin wegkarren, so dass das wenige vorhandene Dopamin nicht richtig arbeiten kann, sondern zu früh abtransportiert wird. Ich sage das jetzt mit meinen Worten, also das, was ich noch weiß und halbwegs verstanden habe.

Was also ist hilfreich, damit das Dopamin tun kann, wozu es gebraucht wird? Was muss ein Medikament können?

Unser Hirn braucht ein Mittel, das die Dopamintransporter (DaT) reduziert und/oder es muss mehr Dopamin geliefert werden. Und genau das tun MPH-Medikamente via Ritalin, Concerta, Medikinet, Focalin (Schweiz) und wie sie alle heißen.

Dazu Wiki: »Die typischen ADHS-Medikamente (Stimulanzien wie Methylphenidat oder Lisdexamfetamin* bewirken auf verschiedene Weisen (Methylphenidat als Dopaminwiederaufnahmehemmer, Lisdexamfetamin* als Dopaminfreisetzungsverstärker) eine Erhöhung des Dopaminspiegels im synaptischen Spalt – bei richtiger Dosierung auf das Maß, das wie bei Nichtbetroffenen eine störungsfreie Signalübertragung gewährleistet. Bei Überdosierung (zu hoher Dopaminspiegel) entstehen Signalübertragungsprobleme, die nahezu dieselben Symptome verursachen wie ein zu geringer Dopaminspiegel.«

Zum Schluss noch ein bisschen Hirn-Theorie. Stellt euch das Hirn als rundliches Dingsi gezeichnet vor. Links, im vorderen Teil des Kopfes, sitzt der Präfrontale Cortex (PFC) – dargestellt als längliches Feld. Er ist für Steuerung, Lernen, Entscheiden und Priorisieren zuständig.

In der Hirnmitte, dargestellt als kurviger Strich, liegt der Thalamus. Er ist für die Filterung zuständig, steuert somit die Ablenkbarkeit durch Reizfülle.

Rechts im gezeichneten Hirn, dargestellt als schwarze runde Fläche, schließlich das Limbische System, auch Belohnungssystem genannt, das innere Ruhe/Unruhe, Getriebensein und/oder eben Wohlsein, Zufriedenheit etc. steuert. Kurzum: Alles hängt zusammen.

Wie die unterschiedlichen MPH-Medikamente wirken und unsere Hirntätigkeit beeinflussen, erzähle ich euch im nächsten Teil.

+++

INFO: Diesen Text habe ich im Oktober 2023 geschrieben.


EDIT: Im Wikipedia-Artikel steht ursprünglich Amphetamin, was aber so nicht ganz stimmt. Darum wurde der Begriff ersetzt durch Lisdexamfetamin. Begründung: »Amphetamine könnten zu einem sofortigen Rausch führen, aber Lisdex ist nur ein Prodrug, wird also erst im Magen-Darm-Trakt zur aktiven Substanz. (Wichtig, weil Elvanse auch bei Kindern und Jugendlichen eingesetzt wird, da hormonstabil.)« Danke an Vierraumwohnung, die mich upgedated hat.


Teil 2
Teil 3
Teil 4

Fortsetzung folgt