[Janne]
„Da könnte noch eine sechste sein“, sagt meine Gynäkologin und drückt den Ultraschallkopf fester in meinen prallen Unterleib. Ich konzentriere mich auf das Schwarz-Weiß des Bildschirms und versuche, mich zu freuen.
Mein Bauch tut weh, insgesamt geht es mir komisch. Ich fühle mich anders als ich selbst an. Ich rieche komisch, meine Gefühle funktionieren seltsam. Meine Toilettenroutine funktioniert nicht und ich bin ständig in Überaufmerksamkeit auf meinen Unterkörper.
Wie viele andere Autist*innen habe auch ich ein spezielles Verhältnis zu meinem Körpergefühl. An manchen Tagen spüre ich jede Blase in meinem Torso wie ein lebendes Wesen; jedes Haar, das mein Gesicht berührt, wie einen Messerstich. Und an manchen, manchmal sogar den gleichen Tagen, ist es, als würde mein Gehirn vergessen, mir Bescheid zu sagen, dass ich etwas fühle und woher und in welcher Qualität. Das sind die gefährlichen Tage, denn manchmal enden diese mit einer langen Krankschreibung oder vermeidbaren Alltagsproblemen.
Der Ausfluss, der sich durch die hormonelle Stimulation zu einer Art dauerndem Rinnen entwickelt hat, ekelt mich an. Die warme Feuchte, wird von den Slipeinlagen, die ich tragen muss, weil ich mit meinen Stoffbinden nicht mehr nachkomme, noch verstärkt. Dass ich das alles für einen bestimmten Zweck tue, dass alles einen biologischen Hintergrund hat und völlig normal, erwartbar und nicht lebensbedrohlich ist, ändert an meinem Unwohlsein nichts.
Unter anderen Umständen würde ich dieser Überglitschigkeit vielleicht sogar etwas Erotisches abgewinnen können und auch weniger grummelig über die neuerliche Müllschwemme durch meine Wahl der Problemlösung sein. Aber jetzt ist alles komisch und fremd und einfach urgh.
Meine Ärztin hätte die Follikel gerne noch etwas größer und verlängert das Schema um einen Tag. Wegen des Feiertags kann ich die Medikamente nicht auch im Ausland bestellen und lasse etwa 140 € in der Apotheke. Das Abführmittel, das ich eigentlich auch kaufen wollte, vergesse ich dabei, weil ich nichts an meinem Körper fühle.