[Sabrina] Voller Begeisterung habe ich spontan zugesagt als Disa fragte wer Lust hätte über seinen Alltag mit ADHS zu schreiben.
Ein paar Ideen waren schnell zusammengetragen, und dann kamen die Zweifel. Was weiss ich denn schon über ADHS. Meine Diagnose liegt noch nicht mal 6 Monate zurück. Ich weiss gerade gar nicht so richtig was in meinem Leben alles ADHS ist und was nicht. Was habe ich denn zu dem Thema überhaupt zu sagen. Interessiert das irgendwen? Was wenn meine Diagnose (die nicht sehr ausführlich war) doch nicht stimmt und ich wirklich nur unfähig und faul bin?
Also schreibe ich über meine Zweifel. Selbstzweifel. Davon habe ich genug, schon immer. Warum kriege ich einfache Dinge nicht hin? Warum schaffe ich es nicht mein Leben in den Griff zu kriegen? Warum habe ich immer schon das Gefühl nicht in diese Gesellschaft zu passen? Warum kann ich nicht zuhören? Warum will ich immer neue Hobbys ausprobieren, warum stürze ich mich mit vollem Eifer in ein neues Thema, schaffe mir jede Menge Zeugs dafür an, nur um es ein paar Wochen, Monate, in Ausnahmefällen auch Jahre später von heute auf morgen liegen zu lassen um mich anderen Dingen zu widmen? Warum muss ich immer alles auf den letzten Drücker machen?
Jetzt weiß ich, das hat alles mit meinem umdiagnostizierten ADHS zu tun. Aber die Zweifel sind hartnäckig. Über 40 Jahre haben sie sich in meinem Leben eingebrannt und große Schäden hinterlassen. Soziale Ängste, depressive Phasen, aber auch ganz praktische Dinge wie seit Jahren nur ein Taschengeld zu verdienen, keine soziale Absicherung zu haben. Ich habe wahnsinniges Glück dass meine Familie und mein Partner mich trotz allem immer unterstützt haben. Ansonsten wäre ich vielleicht schon auf der Strasse gelandet.
Die Diagnose ADHS ändert den Blick auf die Dinge die in meinem Leben nicht funktionieren. Aber ich glaube ich brauche noch eine ganze Menge Zeit und Hilfe um mein Leben endlich in den Griff zu bekommen. Die Selbstzweifel hinter mir zu lassen und Platz für ein neues Gefühl zu schaffen.