Disa

Ich war immer schon hochsensibel und war lange überzeugt, dass alle so fühlen und die Welt so sehen wie ich. Seit ich dahinterkam, dass dem nicht so ist, sehnte mich danach, normal zu sein. Masking und Camouflage wurden meine Lebensstrategien.

Meine Diagnosen (rezidivierende Depressionen, PTBS mit Angst- und Zwangsstörung) sehe ich heute als Reaktion meiner Seele und meines Körpers auf eine Welt mit viel zu vielen Reizen. Ich bezweifle, dass der Teil mit der Angst- und Zwangsstörung so wirklich stimmt, da ich inzwischen erkannt habe, dass manche meiner autistischen Eigenschaften keine Zwänge sondern repetitive Verhaltensweisen sind, Rituale, Ankerhandlungen. Auch ist mein Unbehagen, unter Menschen zu gehen, nicht explizit angstbestimmt, sondern eher eine Vermeidungsreaktion, da ich inzwischen darum weiß, wie erschöpft mich menschliche Interaktion oft zurücklässt. Diagnostik ist herausfordernd und etwas, das sich auch laufend verändert, da sich die Forschung weiter entwickelt.

Dennoch entstehen zweifellos Komorbiditäten, wenn wir nicht verstehen oder ignorieren, dass eine Person ADHS hat oder autistsich ist.

Ich möchte das, was in unserer Gesellschaft als »Störung« und »Krankheit« definiert wird, – für mich und andere – neu bewerten und in eine So-Sein-wie-ich-Bin-Haltung kommen. Wir sind genau so richtig und wichtig wie Menschen, deren Hirne der sogenannten Norm entsprechen. Davon abgesehen ist eh jedes Hirn anders. Wir alle sind neurodivers.

Dank Diagnose, Medikation und Coaching verstehe ich Zusammenhänge immer besser und werde auch endlich meiner Selbst bewusster.

Über meine Erkenntnisse und Erfahrungen erzähle ich gern in diesem Blog.


ü55, weiblich, spät diagnostiertes ADHS (2023), Verdacht auf Autismus wird aktuell abgeklärt